Keine teuren Geräte, keine Mitgliedschaften, keine besonderen Fähigkeiten erforderlich. Ein einfacher Spaziergang — das ist alles, was Sie brauchen, um Ihrem Herzen etwas Gutes zu tun. Klingt zu einfach, um wahr zu sein? Die Wissenschaft sagt etwas anderes.
Die unterschätzte Kraft des Gehens
Wir leben in einer Zeit, in der Fitness oft mit Extremen gleichgesetzt wird. High-Intensity-Training, Marathon-Läufe, Gewichtheben bis zur Erschöpfung. Dabei vergessen wir manchmal, dass unser Körper für etwas viel Einfacheres gemacht ist: das Gehen.
Unsere Vorfahren legten täglich weite Strecken zu Fuß zurück — auf der Suche nach Nahrung, auf dem Weg zu Wasserquellen, beim Erkunden neuer Gebiete. Unser Körper, und besonders unser Herz, ist auf diese regelmäßige, moderate Bewegung eingestellt. Wenn wir gehen, tun wir das, wofür wir gemacht sind.
Und die Forschung bestätigt, was unser Körper instinktiv weiß: Regelmäßiges Spazierengehen senkt den Blutdruck, verbessert die Cholesterinwerte, stärkt das Herz und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant. Eine Studie der Harvard Medical School fand heraus, dass bereits 30 Minuten tägliches Gehen das Risiko für koronare Herzerkrankungen um bis zu 30 Prozent senken kann.
Was passiert in Ihrem Körper, wenn Sie gehen
Sobald Sie den ersten Schritt tun, beginnt ein bemerkenswerter Prozess. Ihr Herz erhöht sanft seine Schlagfrequenz, um mehr Blut durch den Körper zu pumpen. Ihre Blutgefäße weiten sich, der Blutfluss verbessert sich. Gleichzeitig beginnen Ihre Muskeln, mehr Sauerstoff zu verbrauchen — und das trainiert nicht nur die Beinmuskulatur, sondern auch den wichtigsten Muskel Ihres Körpers: das Herz.
Mit jedem Spaziergang wird Ihr Herz ein wenig stärker. Es muss weniger arbeiten, um die gleiche Menge Blut zu pumpen. Im Ruhezustand schlägt es langsamer, denn es arbeitet effizienter. Das bedeutet weniger Verschleiß, weniger Belastung, mehr Reserve für die Momente, in denen Sie sie wirklich brauchen.
Aber die Wirkung geht über das Herz hinaus. Beim Gehen schüttet Ihr Körper Endorphine aus — natürliche Stimmungsaufheller, die Stress abbauen und ein Gefühl des Wohlbefindens erzeugen. Und weniger Stress bedeutet weniger Belastung für Ihr Herz. Es ist ein wunderbarer Kreislauf, der sich mit jedem Schritt verstärkt.
Die richtige Dosis
Wie viel ist genug? Die gute Nachricht: Sie müssen kein Leistungssportler werden. Die meisten Experten empfehlen etwa 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche — das entspricht etwa 30 Minuten an fünf Tagen. Und „moderat" bedeutet ein Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten können, aber leicht außer Atem kommen.
Wenn Ihnen 30 Minuten am Stück zu viel erscheinen, teilen Sie sie auf. Drei Mal zehn Minuten haben einen ähnlichen Effekt. Der Weg zur Bäckerei am Morgen, ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause, ein Abendspaziergang nach dem Essen — so erreichen Sie Ihre 30 Minuten, ohne es wirklich zu bemerken.
Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Ein langer Spaziergang am Wochenende ist schön, aber die größte Wirkung erzielen Sie, wenn das Gehen Teil Ihres Alltags wird. Jeden Tag ein bisschen ist besser als einmal pro Woche viel.
Tipps für den Anfang
Wenn Sie lange nicht mehr regelmäßig gegangen sind, beginnen Sie langsam. Vielleicht mit zehn Minuten am Tag, vielleicht sogar mit fünf. Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie am nächsten Tag Muskelkater haben, haben Sie zu viel gemacht. Wenn Sie sich energiegeladen fühlen, sind Sie auf dem richtigen Weg.
Wählen Sie bequeme Schuhe — nicht die teuersten, aber solche, in denen Ihre Füße sich wohlfühlen. Kleiden Sie sich dem Wetter entsprechend, aber übertreiben Sie es nicht. Beim Gehen wird Ihnen warm, also lieber eine Schicht weniger als zu viel.
Finden Sie Wege, die Ihnen gefallen. Ein Park in der Nähe, eine ruhige Wohngegend, ein Pfad am Fluss. Wenn Ihnen die Umgebung gefällt, werden Sie öfter gehen. Und wenn Sie Gesellschaft mögen, nehmen Sie jemanden mit. Ein Gespräch beim Gehen lässt die Zeit verfliegen.
Gehen bei jedem Wetter
Das deutsche Wetter ist nicht immer einladend, das stimmt. Aber ein leichter Regen hat noch niemandem geschadet, der richtig gekleidet ist. Und ein Spaziergang im Nieselregen kann überraschend erfrischend sein — die Luft ist sauber, die Wege sind leer, und das Gefühl danach, wenn Sie wieder in der warmen Wohnung sind, ist unbezahlbar.
Natürlich gibt es Tage, an denen Sie nicht nach draußen möchten. Ein Einkaufszentrum, ein Museum, eine Halle — auch das zählt. Hauptsache, Sie bewegen sich. Und wenn es wirklich nicht geht, machen Sie ein paar Runden durch die Wohnung. Jeder Schritt zählt.
Mehr als nur Bewegung
Das Schöne am Spazierengehen ist, dass es mehr als nur körperliche Bewegung ist. Es ist Zeit für sich selbst. Zeit zum Nachdenken, zum Beobachten, zum Sein. In unserer hektischen Welt, in der wir ständig erreichbar sein müssen und immer etwas zu tun haben, ist ein Spaziergang ein kleiner Akt der Rebellion. Eine halbe Stunde, in der nichts von Ihnen erwartet wird, außer zu gehen.
Viele Menschen berichten, dass sie beim Gehen ihre besten Ideen haben. Dass Probleme, die am Schreibtisch unlösbar schienen, plötzlich eine Lösung finden. Dass Sorgen, die sie nachts wachgehalten haben, beim Gehen kleiner werden. Es ist, als würde der Rhythmus der Schritte auch die Gedanken in Fluss bringen.
Ein Schritt nach dem anderen
Wenn Sie diesen Artikel gelesen haben und sich vornehmen, mehr zu gehen, dann haben Sie schon den wichtigsten Schritt gemacht — den Entschluss. Jetzt kommt der zweite: aufstehen und losgehen. Nicht morgen, nicht nächste Woche. Heute. Jetzt.
Es muss kein großer Spaziergang sein. Vielleicht nur um den Block. Vielleicht nur bis zur nächsten Straßenecke. Aber wenn Sie einmal angefangen haben, werden Sie merken, wie gut es sich anfühlt. Und morgen gehen Sie vielleicht ein bisschen weiter. Und übermorgen noch weiter.
Ihr Herz wird es Ihnen danken. Mit jedem Schritt, den Sie tun, schenken Sie ihm ein kleines Stück Gesundheit. Und das Beste daran: Es kostet nichts, es hat keine Nebenwirkungen, und es macht sogar Spaß. Welches Medikament kann das von sich behaupten?